Tag der Menschenrechte – Zeitzeugenbesuch am 10. Dezember

Anlässlich des Tages der Menschenrechte fand am Freitag (10.12.2021) eine Veranstaltung an der IGS Buchholz statt, in deren Zentrum ein Podiumsgespräch mit einer belarussischen Journalistin Ljubov Kaspjarowitsch stand. Geladen war zudem die politische Aktivistin und Mitarbeiterin von Razam e.V. Katia Rumantseva. Zusammen mit Sixtus Klein aus dem 12. Jahrgang und Paolina Grosser aus dem 7. Jahrgang übernahm Letztere die Moderation und fungierte zugleich als Übersetzerin für Ljubov. Des Weiteren berichtete sie im Rahmen einer Präsentation über die Situation in Belarus. Thematisiert wurden dabei insbesondere die politisch motivierten Gerichtsprozesse und Inhaftierungen.

 

Die umstrittene Wiederwahl des Präsidenten Alexander Lukaschenkos löste im August 2020 eine große Protestbewegung in Belarus aus, weil es vielfach Beweise für Wahlfälschungen gab.

Das Regime reagierte darauf mit äußerster Härte. Während die Proteste auf den Straßen mittlerweile niedergeschlagen sind, hält die Kritik bis heute.

Ljubow Kaspjarowitsch ist eine belarussische Journalistin, Ihr Lebensmittelpunkt war bis vor kurzem die Hauptstadt Minsk. Seit 2016 arbeitete sie beim größten unabhängigen Nachrichtenportal tut.by.

Sie berichtet seit Beginn der Massenproteste über die Geschehnisse in ihrem Land und macht auf die vorliegenden Missstände aufmerksam, obwohl die Staatsgewalt bis heute alles unternimmt, unabhängigen Journalismus zu verhindern.

 

Als sie am 14. Mai 2020 einem Prozess gegen Angeklagte beiwohnt, denen die Teilnahme an Studentenprotesten zur Last gelegt wurde, nahmen Sicherheitskräfte sie auf dem Rückweg fest. Frau Kaspjarowitsch landete in Untersuchungshaft. Erst bei der Gerichtsverhandlung erfuhr sie den Tatvorwurf, der sinngemäß lautete, sie hätte sich auch am Protest gegen das Regime beteiligt. Sie wurde daraufhin zu 15 Tagen Haft im berüchtigten Gefängnis Okrestina verurteilt, die sie unter widrigsten Bedingungen absaß.

 

Im Gegensatz zu anderen politischen Häftlingen erfuhr sie zwar keine körperliche Folter, aber erlebte aus nächster Nähe ein brutales System der Willkür – und der Angst. Im Anschluss entschloss sie sich, ihre Heimat zu verlassen – wie bereits Zehntausende von Belarussinnen und Belarussen vor ihr.

 

Seit ihrer Flucht hält Frau Kaspjarowitsch sich in Deutschland auf und berichtet u.a. für die Wochenzeitung „Die Zeit“ weiter über die Geschehnisse in ihrem Heimatland. Jüngst nahm sie – stellvertretend für Ihre KollegInnnen von tut.by – den Free Media Award der Zeit Stiftung ent-gegen. Die Jury würdigte neben der Qualität der Berichterstattung im Besonderen den Mut der JournalistInnen angesichts der dramatischen Zustände in Belarus. In der Rangliste der Pres-sefreiheit liegt Belarus auf Platz 158 von 180 Ländern .

 

Auch der Friedensnobelpreis, die wichtigste politische Auszeichnung der Welt, ging 2021 an zwei Journalisten: Maria Ressa und Dmitrij Muratow. Sie wurden geehrt für ihre unermüdliche Bemühungen, die Meinungsfreiheit auf den Philippinen und in Russland zu verteidigen.

„Zugleich stehen sie für alle Journalisten, die sich für dieses Ideal einsetzen in einer Welt, in der Demokratie und Pressefreiheit zunehmend gefährdet sind“ , sagte die Vorsitzende des Nobelpreiskomitees. Mit ihrer Arbeit geben sie jenen Menschen eine Stimme, die nach dem Willen der jeweiligen Machthaber hinter Gefängnismauern oder gar für immer verstummen würden.

 

Flankiert wurde die Durchführung von einer fotodokumentarischen Ausstellung zu den Protesten in Belarus und den repressiven Maßnahmen seitens des Regimes.

Zeitlich erstreckte sich diese Veranstaltung auf die ersten vier Stunden, wobei der gesamte 8. Jahrgang in den ersten beiden Doppelstunden und der 12. Jahrgang in der 3./4. Stunde beiwohnte.

Als Vorbereitung wurden im Rahmen des Unterrichts Fragen aus den genannten Jahrgängen gesammelt und vom Schülermoderationsteam selektiert. Nach dem Podiumsgepräch wurde Raum für weitere Fragen aus dem Publikum eingeräumt.