IGS besucht die ARD-Tagesschau

Moderator sein – und das gleich bei der Tagesschau? Kein Problem, sagten sich Sophia Wintermann und Sixtus Klein, nahmen sich kurzerhand die Meldungen vom Moderatorentisch im Fernsehstudio in Hamburg-Lokstedt und verlasen die Nachrichten. Wie Profis. Zwar konnten ihre 19 Mitschüler und -innen sie auf den Bildschirmen sehen, aber nur auf den Monitoren im Studio, das nicht im Sendebetrieb war. Mit ihren Lehrern Marcel David und Dmitriy Yessin besuchten die Neuntklässler  (Medienscouts, Wahlpflichtkurs 9 Grundlagenschulung) der IGS die Tagesschau-Redaktion auf dem NDR-Gelände in Lokstedt. Bernd Großheim, Redakteur der beliebtesten deutschen Nachrichtensendung und früher Korrespondent in Moskau, führte die Schüler durch das Sendestudio, die Regie und in die Online-Redaktion. Vom Social-Media-Redakteur André Steins erfuhren sie, dass die Redaktion etwa 20.000 Kommentare pro Tag auf Tagesschau-Nachrichten bekommt. Die Redakteure hätten im Schnitt nur fünf Sekunden Zeit, einen Kommentar zu lesen. Viele Mails verstießen gegen die „Etikette“ des Hauses, beklagte Steins, insbesondere bei Themen wie Migration und Klimawandel. Zuvor hatte Bernd Großheim aus der täglichen Arbeit berichtet und viele Fragen der Schüler beantwortet. So erfuhren sie, dass 100 Redakteure/innen rund um die Uhr im Schichtbetrieb für die einzelnen Sendungen arbeiten, dass sie mit verschiedenen Nachrichtenagenturen arbeiten (niemals nur mit einer einzigen), Quellen prüfen, dass sie immer auf dem neuesten Stand sein und ein Gespür für die wichtigen Nachrichten haben müssen. – Und dann nach der 12 Uhr-Tagesschau stellte sich Moderator Claus-Erich Boetzkes den Fragen der Schüler. Ja, sagte er, die Arbeit sei aufregend, obwohl er kein Herzklopfen mehr habe wie zu Beginn seiner Karriere. Ein Moderator müsse immer ruhig und entspannt sein. Er verglich es mit dem Vokabel-Lernen vor einer wichtigen Prüfung. Wenn man besonders aufgeregt sein, könne man sich nicht so viel merken. Die besondere Herausforderung für ihn seien manchmal Namen ausländischer Politiker, von denen er vorher niemals gehört habe. Deshalb sei es wichtig, sich vorher einzulesen. Boetzkes berichtete auch von sehr aufregenden Momenten: vom Attentat auf das Word-Trade-Center (9/11) und der Zug-Katastrophe von Eschede beispielsweise. Abschließend stellte er fest, dass der Beruf des Journalisten zwar niemanden reich mache, aber sicher der interessanteste sei – vor dem Lehrerberuf. Das war so überzeugend, dass Sophia wohl gleich zu einem Praktikum in Lokstedt geblieben wäre…

 (Wolfgang Heinemann)

Ein anschließendes Meinungsbild der Schülerinnen und Schüler zu dem Besuch der ARD-Tagesschau verdeutlicht die Begeisterung.

„Es war sehr interessant hinter die Kulissen zu sehen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie komplex eine Show sein kann. Es wurde sich sehr viel Zeit in den verschiedenen Bereichen genommen. Besonders interessant war das Gespräch mit dem Moderator Claus-Erich Boetzkes. Alle Menschen, die wir getroffen haben, waren sehr sympathisch und nett.“