Bildungsinitiative „Das andere Leben“ an die IGS geholt

Erziehung zur Demokratie ist ein wichtiges Lernziel jeder Schule. Respekt, Achtung und Wertschätzung sind als unverrückbare Werte unabdingbar für ein funktionierendes Zusammenleben unserer Gesellschaft – in Anbetracht der gegenwärtigen Herausforderungen heute besonders wichtig. Oft genug fällt es jedoch schwer, in den sterilen Klassenräumen im 90-Minuten-Takt die Schülerinnen und Schüler wirklich persönlich zu erreichen.

GEP-Lehrer Martin Klawitter wurde in diesem Zusammenhang aufmerksam auf eine besondere Veranstaltung der Bildungsinitiative „Das andere Leben“. Bei der unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Stephan Weil stehenden Veranstaltung handelt es sich um eine am Vibraphon begleitete Lesung mit Moderation.

Der Schauspieler Thomas Darchinger, Mitglied der deutschen Filmakademie und Grimme-Preis-Träger, liest dabei aus dem Buch „Das andere Leben – Kindheit im Holocaust“ von Solly Ganor. Der 1928 in Litauen geborene Jude verarbeitet in seiner Autobiographie die während der nationalsozialistischen Herrschaft erlittenen Gräueltaten und traumatischen Erlebnisse. Begleitet wird Darchinger in seinem Vortrag von dem international bekannten Jazz-Musiker Wolfgang Lackerschmid am Vibraphon, einer Weiterentwicklung der Marimba, das sich durch einen kalten, metallenen Klang auszeichnet.

Die beiden Künstler tragen so die eindringliche Botschaft ihres Freundes Ganor in die Schulen. Nach über 30 000 niedersächsischen Schülerinnen und Schülern bekam nun auch die Schülerschaft der IGS Buchholz die Gelegenheit, an diesem besonderen lebendigen Geschichtsunterricht teilzunehmen. In zwei Veranstaltungen, am Donnerstag, dem 27.4., und Freitag, dem 28.4., beeindruckten die beiden Künstler unsere Jahrgänge acht bis elf.

Welch elementaren Beitrag diese Initiative zur Demokratiebildung zu leisten vermag, zeigt auch Kerstin Böttgers Rückschau auf die Veranstaltung. Die Klassenlehrerin fasste nach dem auswertenden Gespräch mit ihrer Klasse 11e zusammen:

„In Erinnerung dürfte die Veranstaltung nicht nur wegen der mit passenden Klängen des Vibraphons untermalten starken Ausdrucks- und Vortragsweise Thomas Darchingers bleiben, sondern auch wegen seines Appells, eine friedliche und freiheitlich-demokratische Gesellschaft keinesfalls als selbstverständlich hinzunehmen und in den Medien verbreitete Meinungen und Positionen stets kritisch zu hinterfragen.
Die Schüler lobten vor allem die Form einer authentischen biographischen Lesung gegenüber der zuweilen trockenen Faktenarbeit im Unterricht und sprachen sich einhellig für eine Fortführung solcher „Oral history“-Formate in der Schule aus. Dadurch seien die Ereignisse der Vergangenheit für sie besser verständlich und vorstellbar. Dass Gruppen von Menschen als minderwertig angesehen und ausgegrenzt werden, sei schließlich auch heute noch ein aktuelles und mahnendes Thema. Insgesamt zeigten sich viele Schüler sehr nachdenklich und dankbar für die in ihrem Land heutzutage friedlichen Lebensbedingungen.“